Autor: fauh89

AG Gewerkschaftliche Aktion

Besser zu früh als zu spät…Wenn die Lage auf der Arbeit brenzlig wird, ist meist zu wenig Zeit, um sich im Betrieb mit den Kolleg*innen zu vernetzen und schlagkräftig aufzutreten. Und da Kleinvieh bekanntlich auch Mist macht und es nicht immer von Null auf 100 gehen kann: Auch Kleinigkeiten und gemeinsamer Austausch können den Arbeitsalltag verbessern.

Die FAU Hannover bietet allen Mitgliedern an, sich systematisch mit dem eigenen Arbeitsumfeld auseinanderzusetzen. Dazu vermitteln wir Wissen und Werkzeuge, die uns in die Lage versetzen, unsere Interesessen auf der Arbeit zu stärken und uns gemeinsam mit anderen aus dem Betrieb zu organisieren.

Die AG Gewerkschaftliche Aktion öffnet [zunächst online] jeden dritten Dienstag im Monat von 19:00 bis 21:00 Uhr die Türen des FAU Gewerkschaftslokals in der Nieschlagstr. 1B in Linden und lädt alle Mitglieder herzlich ein teilzunehmen.

Ihr braucht nichts weiter mitzubringen – nur Euch selbst :) Bitte meldet Euch ein paar Tage vorher kurz per Email an (fauh-aktion@fau.org), damit wir das einplanen können. Sollten die Termine für Euch nicht passen, können wir auch einen separaten Termin vereinbaren.

Was heißt eigentlich „sich organisieren“? – Gedanken zum 1. Mai 2020

[Der folgende Artikel wurde in leicht geänderter Fassung als Redebeitrag im Livestream von Radio Flora am 1. Mai 2020 von der FAU Hannover gehalten]

Wir wollen diesen Tag zum Anlass nehmen, um über das „sich organisieren“ und „Organizing“ zu sprechen. Auch und gerade jetzt in diesen „Coronazeiten“. Denn – warum eigentlich „sich organisieren“ und was meinen wir damit genau?

Wir müssen euch enttäuschen – denn: There is no Glory in Organizing!

Trotzdem haben wir euch 4 Gründe mitgebracht, warum wir uns organisieren müssen, wenn wir unter den Vorzeichen der gerade beginnenden globalen Krise eine Chance haben wollen. Wir sind uns sicher: Es gibt keine Abkürzung zur aktiven Gegenwehr und der gemeinsamen Gestaltung eines guten Lebens für alle.

Erfolgreiche Kämpfe brauchen Vorbereitung – sie fallen nicht vom Himmel!

Die Vorstellung von spontanen, starken und erfolgreichen Aktionen ist unrealistisch und gleicht eher einer Karikatur. Die Mühen und das vielfältige Know-How, die hinter erfolgreichen Kämpfen stehen bleiben oft unsichtbar – häufig sogar beabsichtigt oder aus taktischen Gründen notwendigerweise. In der Regel dauert diese Aufbauarbeit viele Jahre. Jahre in denen einige wenige sich zusammentun, in denen Rückschläge verkraftet und Fehler analysiert werden müssen.

Das mag ernüchternd klingen – aber nur in solchen gemeinsamen Auseinandersetzungen können wir voneinander lernen, Taktiken erproben, praktisches Wissen weitergeben und mehr werden. Darauf kann aufgebaut werden. Von uns selbst – von denjenigen, die nach uns kommen – oder denen, die neben uns gehen.

Organisierung heißt für uns nicht Organisierung um der Organisierung willen.

Forderungen aufzustellen ist gut und richtig. Doch weder Social Media Aktionismus noch das Hoffen auf einen nebulösen „kommenden Aufstand“ werden uns weiterhelfen. Das hat uns das vergangene Jahrzehnt nach dem Krisenjahr 2008 gezeigt. Wir brauchen konkrete Handlungsmacht, um Forderungen auch durchsetzen zu können. Organisierung bedeutet daher für uns: Eine verbindliche Organisation entlang gemeinsamer Interessen in Betrieben, als Lohnabhängige, Soloselbstständige, illegalisierte Arbeiter*innen und als Mieter*innen in unseren Nachbarschaften. Das heißt: Organisierung entlang gemeinsamer Interessen als Klasse! Dort wo wir potentiell über Handlungsmacht verfügen und die Spielregeln ändern können – gemeinsame Arbeitskämpfe sind kein Relikt der Vergangenheit – sie sind notwendige Zukunft!

Dafür müssen wir miteinander lernen: von feministischen Klassenauseinandersetzungen – aus der Mieter*innenbewegung – von migrantischer Selbstorganisation und aus den zahlreichen gewerkschaftlichen Aktionen und „wilden Streiks“ rund um den Globus. Und wie geht es mit den vielfältigen Solidaritätsnetzwerke weiter, die sich auch in Hannover in den letzten Wochen gebildet haben?

Verbindliche Organisierung schafft Vertrauen – so das ein Füreinander einstehen überhaupt erst vorstellbar und möglich wird.

Organisierung muss stabil sein – sie muss verbindlich sein – und ja, es wird auch Geld benötigt.

Es wurde in den vergangenen Wochen noch einmal sehr deutlich: Supermarktregale füllen sich nicht von alleine, der Onkel wird nicht von alleine gepflegt und Arbeit ist auch 2020 nicht wegautomatisiert.

Organisierung heißt auch, die Möglichkeit zu schaffen, gemeinsam für andere mit unterschiedlichen sozialen Backgrounds, Jobs, Herkünften, Erfahrungen und politischen Einstellungen einzustehen.

Organisierung in verbindlichen Strukturen schafft eine gute Basis für den dringend notwendigen Austausch über Staatengrenzen hinweg. Austausch mit denen, die in den letzten Jahren und Monaten in Frankreich, im Iran, in Spanien, in Chile, Indien, Rojava oder Sudan für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, gegen Unterdrückung und für Demokratie gekämpft haben – in Betrieben, auf der Straße und in ihren Wohnvierteln. Wir haben als FAU daher vor 2 Jahren eine neue Internationale Föderation (https://www.icl-cit.org/) gegründet und uns mit zahlreichen Schwesterorganisationen aus verschiedenen Ländern zusammengeschlossen.

Solidarität und ein aufgeklärtes Bewusstsein als Klasse entsteht erst durch gemeinsame Kämpfe – und ist nicht die Voraussetzung für gemeinsames Handeln

Mobbing, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, scheinbar allmächtige Bosse, eine starke Trennung von manueller Arbeit und Bürojobs, Spaltungen durch verschiedenen Sprachen, kräftezehrende Arbeit, wenig Zeit, um sich auszutauschen, reaktionäre Einstellungen unter Arbeitskolleg*innen, vereinzeltes Arbeiten in der „Gig Economy“, Angst vor Arbeitsplatzverlust…das ist oftmals die Realität.

Doch gerade jetzt gilt: Bemühen wir uns um die Köpfe derjenigen, die bisher keinen Sinn im gemeinsamen Organisieren gesehen haben oder nicht die vermeintlich „richtigen“ Verhaltensweisen an Tag legen. Ohne dieses Ziel wird unsere Arbeit keine Früchte tragen.

Wir wollen dies weder als naive Schlaumeierei verstanden wissen noch als sentimentale „Klassenhuberei“ – denn was die Probleme sind erleben wir fast täglich. Regelmäßig stoßen wir an unserem Arbeitsplatz, in Schulen, in der Nachbarschaft in häufig hoffnungslosen und unschönen Gesprächen, durch Mobbing oder rassistische Beleidigungen an unsere Grenzen. Und manchmal hilft auch nur eindeutige Abgrenzung.

Dennoch bleibt aus langer Erfahrung die Erkenntnis: Veränderungen schafft man mit denjenigen, die da sind – und nicht mit denen, die wir uns herbeiwünschen.

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns gemeinsam die FAU aufbauen als ein Teil dieser Organisierung.

Gegenseitige Hilfe, gewerkschaftliche Unterstützung und Zusammenhalt in Zeiten der Corona Krise

Die FAU Hannover setzt sich auch in Zeiten der Corona Krise für gegenseitige gewerkschaftliche Unterstützung ein.

Aufgrund der aktuellen Situation und der damit verbundenen Beschränkungen entfallen alle Treffen der FAU Hannover. Die Gewerkschaftliche Beratung der FAU Hannover ist aber per E-Mail (fauh-beratung@fau.org) ansprechbar und es können auch Telefontermine vereinbart werden. Die dort Aktiven werden versuchen euch weiterzuhelfen – egal ob es um „Corona Kündigungen“ geht oder um gemeinsame Maßnahmen zur Gegenwehr. Bitte beachtet dabei: Die Gewerkschaftliche Beratung wie auch die FAU Hannover insgesamt ist eine Organisation auf selbstorganisierter Basis ohne bezahlte Stellen. Die Gelder für die finanzielle Unterstützung unserer Mitglieder kommen ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen – manche von uns sind seit mehreren Jahren in der FAU organisiert, andere erst wenige Wochen. Gemeinsam bauen wir die Basisgewerkschaft FAU Hannover auf, denn es gilt:

„In Krisen wie der aktuellen Coronakrise merkt man besonders deutlich, dass die Menschen unten zusammenhalten müssen, um durchzukommen und ihre Interessen zu verteidigen. […] Wer jetzt Gewerkschaftsmitglied wird, tut nicht nur etwas im eigenen Interesse, sondern stärkt die gesamte Organisation und hilft so mit, die Sache der Arbeiter*innen insgesamt noch besser zu vertreten.“ (FAU Jena)

Auf der Seite der FAU Jena findet ihr außerdem einen regelmäßig aktualisierten Überblick über eure Arbeitsrechte in Zeiten der Corona-Pandemie: https://jena.fau.org/corona/