AG Gewerkschaftliche Aktion

Besser zu früh als zu spät…Wenn die Lage auf der Arbeit brenzlig wird, ist meist zu wenig Zeit, um sich im Betrieb mit den Kolleg*innen zu vernetzen und schlagkräftig aufzutreten. Und da Kleinvieh bekanntlich auch Mist macht und es nicht immer von Null auf 100 gehen kann: Auch Kleinigkeiten und gemeinsamer Austausch können den Arbeitsalltag verbessern.

Die FAU Hannover bietet allen Mitgliedern an, sich systematisch mit dem eigenen Arbeitsumfeld auseinanderzusetzen. Dazu vermitteln wir Wissen und Werkzeuge, die uns in die Lage versetzen, unsere Interesessen auf der Arbeit zu stärken und uns gemeinsam mit anderen aus dem Betrieb zu organisieren.

Die AG Gewerkschaftliche Aktion öffnet [zunächst online] jeden dritten Dienstag im Monat von 19:00 bis 21:00 Uhr die Türen des FAU Gewerkschaftslokals in der Nieschlagstr. 1B in Linden und lädt alle Mitglieder herzlich ein teilzunehmen.

Ihr braucht nichts weiter mitzubringen – nur Euch selbst :) Bitte meldet Euch ein paar Tage vorher kurz per Email an (fauh-aktion@fau.org), damit wir das einplanen können. Sollten die Termine für Euch nicht passen, können wir auch einen separaten Termin vereinbaren.

Was heißt eigentlich „sich organisieren“? – Gedanken zum 1. Mai 2020

[Der folgende Artikel wurde in leicht geänderter Fassung als Redebeitrag im Livestream von Radio Flora am 1. Mai 2020 von der FAU Hannover gehalten]

Wir wollen diesen Tag zum Anlass nehmen, um über das „sich organisieren“ und „Organizing“ zu sprechen. Auch und gerade jetzt in diesen „Coronazeiten“. Denn – warum eigentlich „sich organisieren“ und was meinen wir damit genau?

Wir müssen euch enttäuschen – denn: There is no Glory in Organizing!

Trotzdem haben wir euch 4 Gründe mitgebracht, warum wir uns organisieren müssen, wenn wir unter den Vorzeichen der gerade beginnenden globalen Krise eine Chance haben wollen. Wir sind uns sicher: Es gibt keine Abkürzung zur aktiven Gegenwehr und der gemeinsamen Gestaltung eines guten Lebens für alle.

Erfolgreiche Kämpfe brauchen Vorbereitung – sie fallen nicht vom Himmel!

Die Vorstellung von spontanen, starken und erfolgreichen Aktionen ist unrealistisch und gleicht eher einer Karikatur. Die Mühen und das vielfältige Know-How, die hinter erfolgreichen Kämpfen stehen bleiben oft unsichtbar – häufig sogar beabsichtigt oder aus taktischen Gründen notwendigerweise. In der Regel dauert diese Aufbauarbeit viele Jahre. Jahre in denen einige wenige sich zusammentun, in denen Rückschläge verkraftet und Fehler analysiert werden müssen.

Das mag ernüchternd klingen – aber nur in solchen gemeinsamen Auseinandersetzungen können wir voneinander lernen, Taktiken erproben, praktisches Wissen weitergeben und mehr werden. Darauf kann aufgebaut werden. Von uns selbst – von denjenigen, die nach uns kommen – oder denen, die neben uns gehen.

Organisierung heißt für uns nicht Organisierung um der Organisierung willen.

Forderungen aufzustellen ist gut und richtig. Doch weder Social Media Aktionismus noch das Hoffen auf einen nebulösen „kommenden Aufstand“ werden uns weiterhelfen. Das hat uns das vergangene Jahrzehnt nach dem Krisenjahr 2008 gezeigt. Wir brauchen konkrete Handlungsmacht, um Forderungen auch durchsetzen zu können. Organisierung bedeutet daher für uns: Eine verbindliche Organisation entlang gemeinsamer Interessen in Betrieben, als Lohnabhängige, Soloselbstständige, illegalisierte Arbeiter*innen und als Mieter*innen in unseren Nachbarschaften. Das heißt: Organisierung entlang gemeinsamer Interessen als Klasse! Dort wo wir potentiell über Handlungsmacht verfügen und die Spielregeln ändern können – gemeinsame Arbeitskämpfe sind kein Relikt der Vergangenheit – sie sind notwendige Zukunft!

Dafür müssen wir miteinander lernen: von feministischen Klassenauseinandersetzungen – aus der Mieter*innenbewegung – von migrantischer Selbstorganisation und aus den zahlreichen gewerkschaftlichen Aktionen und „wilden Streiks“ rund um den Globus. Und wie geht es mit den vielfältigen Solidaritätsnetzwerke weiter, die sich auch in Hannover in den letzten Wochen gebildet haben?

Verbindliche Organisierung schafft Vertrauen – so das ein Füreinander einstehen überhaupt erst vorstellbar und möglich wird.

Organisierung muss stabil sein – sie muss verbindlich sein – und ja, es wird auch Geld benötigt.

Es wurde in den vergangenen Wochen noch einmal sehr deutlich: Supermarktregale füllen sich nicht von alleine, der Onkel wird nicht von alleine gepflegt und Arbeit ist auch 2020 nicht wegautomatisiert.

Organisierung heißt auch, die Möglichkeit zu schaffen, gemeinsam für andere mit unterschiedlichen sozialen Backgrounds, Jobs, Herkünften, Erfahrungen und politischen Einstellungen einzustehen.

Organisierung in verbindlichen Strukturen schafft eine gute Basis für den dringend notwendigen Austausch über Staatengrenzen hinweg. Austausch mit denen, die in den letzten Jahren und Monaten in Frankreich, im Iran, in Spanien, in Chile, Indien, Rojava oder Sudan für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, gegen Unterdrückung und für Demokratie gekämpft haben – in Betrieben, auf der Straße und in ihren Wohnvierteln. Wir haben als FAU daher vor 2 Jahren eine neue Internationale Föderation (https://www.icl-cit.org/) gegründet und uns mit zahlreichen Schwesterorganisationen aus verschiedenen Ländern zusammengeschlossen.

Solidarität und ein aufgeklärtes Bewusstsein als Klasse entsteht erst durch gemeinsame Kämpfe – und ist nicht die Voraussetzung für gemeinsames Handeln

Mobbing, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, scheinbar allmächtige Bosse, eine starke Trennung von manueller Arbeit und Bürojobs, Spaltungen durch verschiedenen Sprachen, kräftezehrende Arbeit, wenig Zeit, um sich auszutauschen, reaktionäre Einstellungen unter Arbeitskolleg*innen, vereinzeltes Arbeiten in der „Gig Economy“, Angst vor Arbeitsplatzverlust…das ist oftmals die Realität.

Doch gerade jetzt gilt: Bemühen wir uns um die Köpfe derjenigen, die bisher keinen Sinn im gemeinsamen Organisieren gesehen haben oder nicht die vermeintlich „richtigen“ Verhaltensweisen an Tag legen. Ohne dieses Ziel wird unsere Arbeit keine Früchte tragen.

Wir wollen dies weder als naive Schlaumeierei verstanden wissen noch als sentimentale „Klassenhuberei“ – denn was die Probleme sind erleben wir fast täglich. Regelmäßig stoßen wir an unserem Arbeitsplatz, in Schulen, in der Nachbarschaft in häufig hoffnungslosen und unschönen Gesprächen, durch Mobbing oder rassistische Beleidigungen an unsere Grenzen. Und manchmal hilft auch nur eindeutige Abgrenzung.

Dennoch bleibt aus langer Erfahrung die Erkenntnis: Veränderungen schafft man mit denjenigen, die da sind – und nicht mit denen, die wir uns herbeiwünschen.

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns gemeinsam die FAU aufbauen als ein Teil dieser Organisierung.

Gegenseitige Hilfe, gewerkschaftliche Unterstützung und Zusammenhalt in Zeiten der Corona Krise

Die FAU Hannover setzt sich auch in Zeiten der Corona Krise für gegenseitige gewerkschaftliche Unterstützung ein.

Aufgrund der aktuellen Situation und der damit verbundenen Beschränkungen entfallen alle Treffen der FAU Hannover. Die Gewerkschaftliche Beratung der FAU Hannover ist aber per E-Mail (fauh-beratung@fau.org) ansprechbar und es können auch Telefontermine vereinbart werden. Die dort Aktiven werden versuchen euch weiterzuhelfen – egal ob es um „Corona Kündigungen“ geht oder um gemeinsame Maßnahmen zur Gegenwehr. Bitte beachtet dabei: Die Gewerkschaftliche Beratung wie auch die FAU Hannover insgesamt ist eine Organisation auf selbstorganisierter Basis ohne bezahlte Stellen. Die Gelder für die finanzielle Unterstützung unserer Mitglieder kommen ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen – manche von uns sind seit mehreren Jahren in der FAU organisiert, andere erst wenige Wochen. Gemeinsam bauen wir die Basisgewerkschaft FAU Hannover auf, denn es gilt:

„In Krisen wie der aktuellen Coronakrise merkt man besonders deutlich, dass die Menschen unten zusammenhalten müssen, um durchzukommen und ihre Interessen zu verteidigen. […] Wer jetzt Gewerkschaftsmitglied wird, tut nicht nur etwas im eigenen Interesse, sondern stärkt die gesamte Organisation und hilft so mit, die Sache der Arbeiter*innen insgesamt noch besser zu vertreten.“ (FAU Jena)

Auf der Seite der FAU Jena findet ihr außerdem einen regelmäßig aktualisierten Überblick über eure Arbeitsrechte in Zeiten der Corona-Pandemie: https://jena.fau.org/corona/

Bundesarbeitsgericht: Lohnraub weiterhin ohne Folgen für den Investor der Mall of Shame

Aus der FAU Berlin: In der Klage zweier Bauarbeiter gegen die HGHI Leipziger Platz GmbH & Co. KG ist am 16.10.2019 das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) gefallen. Es ging um die Frage, ob der Investor für nicht gezahlte Löhne haftet, wenn der Generalunternehmer und die Subunternehmen in die Insolvenz flüchten. Das letztinstanzliche Gericht der deutschen Arbeitsgerichtsbarkeit hat entschieden, dass die bestehenden Gesetze die Haftungsverantwortung des Investors nicht vorsehen, wenn das errichtete Gebäude nur vermietet und nicht verkauft wird. Die Taschen der Arbeiter bleiben erneut leer.

"Mall of Shame" vor dem Bundesarbeitsgericht

Am 16. Oktober stehen zwei ehemalige Bauarbeiter der "Mall of Berlin" vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Dann wird sich rausstellen, ob ein Unternehmen die gleichen Pflichten hat, wie eine Person: Zahlt das letzte Glied in der Kette ausbleibende Löhne?

Gepostet von FAU Berlin am Donnerstag, 10. Oktober 2019

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Textilarbeiter*innen organisieren sich. Veranstaltung zur gewerkschaftlichen Arbeit in Indonesien und Sri Lanka

Am 09.10.2019 waren im Rahmen der „Union Tour 2019 – Workers unite around the world. Nähfabriken in Asien“, Dian von der Inter-Factory Workers Federation (FBLP) in Indonesion und Chamila vom Dabindu Collective in Sri Lanka zu Gast.

In der abendlichen Veranstaltung berichteten sie über ihre gewerkschaftliche Arbeit. Die feministische Gewerkschaft FBLP setzt sich in Indonesien für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken und der Akzeptanz von LGBTQI*-Personen (Lesbian, Gay, Bi-sexual, Trans, Queer, Inter) sowie gegen Sexismus ein.

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Ausbauen: Schulungsprogramm der FAU Hannover im Herbst

Das interne Schulungs- und Workshop-Programm für Mitglieder der FAU Hannover ist diesen Monat gestartet. Hier werden praktisches Know-How und die Werkzeuge für die gewerkschaftliche Praxis vermittelt. Die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen sowie die Weiterentwicklung von basisgewerkschaftlichen Konzepten ist eine Grundlage unserer Arbeit – nur so können wir eine erfolgreiche gewerkschaftliche Praxis etablieren. Im Zentrum steht diesmal das Thema „Betriebliches Organizing“ zu dem es verschiedene Veranstaltungen und Workshops gibt.  Dabei geht es sowohl um einen Abgleich mit eigenen Erfahrungen als auch um die Frage, wie wir die Erkenntnisse im Rahmen der FAU Hannover nutzen und Konzepte weiterentwickeln können. Das heißt: Anmelden und Teilnehmen erwünscht!

Eine Übersicht über das Schulungsprogramm erhalten alle Mitglieder der FAU Hannover über das Sekretariat oder unter fauh-beratung@fau.org.

Aufbauen: Skizzen eines konstruktiven Sozialismus

„Großes verändert sich nur in der Kulmination vieler kleiner Prozesse, die für die Neuordnung einer komplexen Gesellschaft zu durchlaufen sind. In diesem Sinne gibt es »keine Abkürzungen« auf dem Weg zu einer sozialeren Welt.“

Wie funktionsfähige Organisationen aussehen könnten, die sich der Transformation der Gesellschaft verschrieben haben, beleuchtet der Sozialwissenschaftler Holger Marcks in einer mehrteiligen Artikelreihe, die in der Direkten Aktion erschienen ist. Weiterlesen »

Aus den Syndikaten: FAU Leipzig treibt erfolgreich ausstehenden Lohn in Gastrobetrieb ein

Da auch das Allgemeine Syndikat der FAU Hannover schon Mitglieder im Gastrobereich unterstützt hat, möchten wir hier auf einen aktuellen Erfolg der FAU Leipzig hinweisen, der die Situation und die Chancen noch einmal gut verdeutlicht.

Am Ende nur ein Brief – FAU Leipzig treibt erfolgreich ausstehenden Lohn in Gastrobetrieb ein

Ein Mitglied der FAU Leipzig konnte mit Unterstützung der Gewerkschaft erfolgreich ausstehenden Lohn einfordern. Die FAUista arbeitete in einem Gastronomiebetrieb im Leipziger Süden. Nach einem krankheitsbedingten Ausfall wurde ihr gekündigt und die ihr zustehende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht ausgezahlt. Als die Kollegin alleine ihre Ansprüche einforderte, kam es zu keiner Reaktion. Am Ende brauchte es nur einen Brief durch die FAU Leipzig, damit die Kollegin die rund 1000 Euro ausgezahlt bekam.

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Streikrechtsbroschüre der FAU ist erschienen

Mit dem Untertitel „Rechtliches und praktische Tipps für Streiks und andere Arbeitskämpfe in Deutschland“ ist die Streikrechtsbroschüre der FAU nicht nur – aber auch – im Hinblick auf den 8. März erschienen.

In dieser Broschüre gibt es einen ersten Überblick über die rechtliche Lage, aber auch über verschiedene Arbeitskampfformen. Der Fokus liegt dabei darauf, an den Orten aktiv zu werden, an denen wir Geld verdienen oder uns auf die Lohnarbeit vorbereiten, also Schule, Ausbildung, Universität.

Die Broschüre gibt es u.a. im Gewerkschaftslokal der FAU Hannover oder auch als Download.

Klassisch unkonventionell

Ein syndikalistischer Jahresrückblick

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Für die FAU Hannover ist dies allerdings alles andere als ein Grund, besinnlich die Hände in den Schoß zu legen. Ganz im Gegenteil: In den letzten Wochen brannte im Gewerkschaftslokal oft noch lange Licht. Arbeitsgruppen feilten an ihren betrieblichen Organizing-Strategien, Mitglieder und Nachbar*innen ließen sich zu schwierigen Situationen am Arbeitsplatz beraten, ein bunt gemischtes Publikum lauschte einem Vortrag. Auch wenn viele Pläne erst im kommenden Jahr in die Tat umgesetzt werden und nicht jede gewerkschaftliche Beratung zu einem öffentlichkeitswirksamen Konflikt gerät, wollen wir die Betriebsamkeit zum Anlass für einen syndikalistischen Jahresrückblick nehmen. Weiterlesen »